Ausgerechnet! Zürcher SVP-Präsident sattelt auf Bio um: «Als Bauer bin ich ein Grüner»

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OBERSTAMMHEIM ZH – Ein SVPler als Bio-Bauer? Das überrascht. Schliesslich steht die Partei der Öko-Landwirtschaft kritisch gegenüber. BLICK hat den prominentesten Bio-SVPler getroffen.

Lange gab es in der Schweiz weniger als 6500 Bio-Höfe, sie machten nicht mal 13 Prozent aller Betriebe aus. 2016 sind diese Werte markant gestiegen – so stark wie seit den 90er-Jahren nicht mehr. Die genauen Zahlen gibt der Dachverband Bio Suisse heute bekannt.

Ein Treiber der Entwicklung ist Coop. Der Basler Detailhändler will den Umsatz mit Bio-Produkten auf 2 Milliarden Franken verdoppeln. Coop ist der mit Abstand wichtigste Verkaufskanal für Produkte mit der Bio-Suisse-Knospe. 

Vor 20 Jahren belächelt

Spätestens mit dem neusten Boom haben Bio-Bauern ihren Exoten-Status weggepflügt. Mittlerweile gibt es sogar ranghohe SVP-Politiker, die ihren Hof auf Bio umgestellt haben. Einer davon ist Konrad Langhart (53), Präsident der SVP im Kanton Zürich. 

«Vor 20 Jahren musste man fast noch in einen Strickkurs gehen, wenn man Bio-Bauer sein wollte. So gross waren die Vorurteile damals», witzelt er, als er BLICK zu Kaffee und Kuchen auf seinem Hof in Oberstammheim im Zürcher Weinland empfängt. «Die Bio-Pioniere waren sicher keine SVPler. Sie wurden damals zu Unrecht belächelt.» 

Alois Huber (54), Grossrat im Kanton Aargau, ist ein weiterer SVP-Bio-Bauer. Er ergänzt: «Eine Mehrheit der Bio-Bauern steht auch heute noch politisch links.» Und jene Bio-Bauern, die in der SVP sind, seien keine Hardliner.

Mengenmässig weniger

Im Parteiprogramm wehrt sich die SVP gegen die «überbordende Ökologisierung» der Landwirtschaft. Wie passt das mit dem Bio-Gedanken zusammen? Huber erklärt: «Es gibt die Debatte um Programme wie Biodiversität, Kulturlandschaft oder Vernetzung. Diese gehen zulasten der Produktivität. Bio-Standards dagegen kaum.»

Langhart erklärt: «Der Bio-Landbau hat mit überbordender Ökologisierung nichts zu tun. Aber es ist problematisch, dass es im heutigen Direktzahlungs-Regime attraktiver ist, eine Blüemliwiese anzusäen statt Getreide.»

Er wolle vor allem produzieren. Mengenmässig werde im Bio-Betrieb zwar eher weniger rausschauen. «Aber die Vorteile überwiegen, ich brauche keine Chemie. Und ich verdiene hoffentlich mehr, weil die Verkaufspreise für Bio-Produkte und die Direktzahlungen höher sind.»

Grün heisst konservativ

Langhart führt über den Hof, zu den Mutterkühen, den Schafen, zum Wein. Wie waren die Reaktionen auf den Wechsel ins Bio-Lager? «Die meisten waren positiv. Ein paar haben geflachst, ob ich jetzt zu den Grünen gewechselt sei.» 

Ganz falsch lagen sie damit nicht: «Ich bin politisch zu 100 Prozent bei der SVP, aber als Bauer und in meinem Verhältnis zur Natur ein Grüner. Das ist das Konservative in mir und darum kein Widerspruch.»

Obwohl selbst vom Bio-Gedanken überzeugt, glaubt Langhart nicht, dass Bio bald den Markt dominiert. «Ein Grossteil der Käufer ist immer noch sehr preissensibel. Darum werden nicht alle Bauern auf Bio umsteigen können.» Viele Bio-Bauern befürchten wegen der gestiegenen Konkurrenz jetzt schon, dass der Markt bald gesättigt ist. «Auch wenn Bio Suisse das natürlich anders sieht.»

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