69. Auflage: Buchmesse: Innovatives und Politisches zum Auftakt

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Digitale Branchen-Neuheiten sowie politische Reizthemen: Das war der erste Tag der Frankfurter Buchmesse. Die weltgrößte Bücherschau hat am Mittwoch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begonnen.

Bei der 69. Auflage der Messe sind in diesem Jahr rund 7300 Aussteller aus mehr als 100 Ländern vertreten. Ehrengast ist Frankreich. Insgesamt werden an den fünf Messetagen rund 270 000 Besucher erwartet.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels stellte zum Auftakt einen «BücherDJ» vor. Ein Buchkäufer könnte damit im Laden an einem Tisch – wie ein DJ am Plattenteller – sein eigenes Menü zusammenstellen. Er kann zum Beispiel an einem Bildschirm speziell nach der Farbe von Buch-Covern suchen. Die Buchbranche will mit solchen Anwendungen den Service für den Bücherkäufer verbessern.

Der Dachverband der Buchbranche vergab außerdem erstmals den Deutschen Self-Publishing-Preis. Das Selbstverlegen von Büchern durch Autoren ist der große Trend der vergangenen Jahre.

Auch die Politik spielte am ersten Tag eine wichtige Rolle. Mit Postern wie «Gegen Rassismus» und «Für Freiheit und Vielfalt» demonstrierten Spitzenvertreter der Buchbranche vor dem Stand des Antaios Verlag. Damit solle deutlich gemacht werden, dass der Börsenverein die Werte des rechts angesiedelten Verlags nicht teile, sagte dessen Sprecher Thomas Koch.

Antaios, das den umstrittenen Bestseller «Finis Germania» von Rolf Peter Sieferle und Werke des deutsch-türkischen Rechtspopulisten Akif Pirinçci verlegt, ist zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt wieder auf der Messe. Den Stand hatte der Börsenverein im Vorfeld ausdrücklich verteidigt. Die Meinungs- und Publikationsfreiheit gelte für jeden.

Man könne sich über Aufmerksamkeit nicht beklagen, sagte Verleger Götz Kubitschek der Deutschen Presse-Agentur. Antaios sei auf die Buchmesse zurückgekehrt, damit die «Leser sich selbst ein Bild vom Verlag machen können». Am Mittwochmorgen waren nach Angaben von Kubitschek am Stand von einem Aktivisten über rund 40 Bücher Farbe und Kaffee ausgegossen worden.

Der inhaftierte türkische Journalist Ahmet Sik erhielt am Mittwoch den Raif-Badawi-Preis für mutigen Journalismus. Für Sik, der seit dem vergangenen Dezember wegen angeblicher Terror-Propaganda im Gefüngnis sitzt, nahm der Anwalt und Menschenrechtler Can Atalay die Auszeichnung entgegen. «Ich empfinde gleichzeitig Stolz und Trauer, diesen Preis zu erhalten. Ich sitze hinter Gittern, weil ich meinen Beruf als Journalist ausgeübt, die Wahrheit ausgesprochen und meine Meinung geäußert habe», hieß es in der in Frankfurt verlesenen Danksagung des Journalisten.

Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) würdigte den Einsatz von Sik für einen unabhängigen Journalismus. Scharf kritisierte Baum die Behandlung von Journalisten in der Türkei und Saudi-Arabien, aber auch in Russland. «Mit einer Türkei, die Bürger- und Freiheitsrechte systematisch einschränkt, kann es keine Fortsetzung des Prozesses der Integration in die europäische Wertegemeinschaft geben», betonte er.

Der französische Autor und Soziologe Didier Eribon («Gesellschaft als Urteil») nahm bei einem Auftritt auf der Messe Präsident Emmanuel Macron ins Visier. Dessen neo-liberale Haltung sei unerträglich, wetterte er. Geld von den Armen zu nehmen und es den Reichen zu geben, sei nicht der richtige Weg, um ein Europa der Kultur und des Buches aufzubauen. Gegen dieses Vorgehen werde er kämpfen. «Ich möchte nicht, dass die charmanten Banker an der Macht sind – das hat für mich überhaupt keinen Charme», sagte Eribon.

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