TV-Tipp: «Hindafing»: Ein zarter Hauch von Anarchie

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Manchmal geht es halt nicht so glatt im Leben – weil man sich zuviel vorgenommen oder aber mit den falschen Leuten eingelassen hat. Oder gar beides.

Bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, kann man das des Öfteren beobachten. Und ein solcher steht denn auch im Mittelpunkt der neuen sechsteiligen Serie «Hindafing», die von diesem Dienstag (20.15/21.00 Uhr) an im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist. Auch an den beiden folgenden Dienstagen (23. und 30.5.) werden dann jeweils zwei Folgen im Doppelpack gezeigt.

Hindafing ist ein fiktives Dorf irgendwo in der tiefsten bayerischen Provinz, kurz vor der tschechischen Grenze. Die Berge sind weit weg, der Himmel ist meistens grau, und die Geranien an den Balkonen fehlen auch. Vermutlich deshalb verirren sich kaum Touristen hierher, eine Schule oder Turnhalle gibt’s auch nicht, dafür aber eine völlig verrottete Konservenfabrik. Immerhin hat das trostlose Kaff ordnungsgemäß einen Bürgermeister, und der heißt Alfons Zischl (Maximilian Brückner).

Mit der Ordnung hat er es allerdings nicht so recht, denn er nimmt Drogen, ist notorisch pleite und meistens schlecht drauf, was man ihm auch ansieht. Allein in seiner Ehe mit Marie (Katrin Röver) läuft alles relativ normal. Sein Vater war zwar Millionär, hat ihm jedoch keinen Cent hinterlassen, und so wird dem armen Alfons noch während der Beerdigung des Papas der Wagen gepfändet.

Nunmehr setzt der Herr Bürgermeister (der in einem wahrlich scheußlichen Rathaus sitzt) all seine Hoffnung in das geplante Öko-Shoppingcenter namens «Donau Village», mit dem er auch gleich seine Wiederwahl sichern will. Dabei soll ihm der joviale Landrat Pfaffinger (Jockel Tschiersch) helfen, der nämlich dringend eine Unterkunft für 50 Flüchtlinge sucht. Also quartiert Zischl kurzerhand Asylbewerber im Rohbau ein, was jedoch dem gerissenen Dorfschlachter Goldhammer (Andreas Giebel) gar nicht passt, denn der will im «Donau Village» seine Gammelfleisch-Produkte aus der Ukraine als Ökowurst verkaufen. Und das ist erst der Anfang von weiterem drohenden Ungemach: Zischl entdeckt ein Schwarzgeldkonto seines Vaters in Panama, auf dem das ganze Familienerbe geparkt ist. Das verkokste Schlitzohr verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Intrigen und falschen Versprechungen.

«Hauptsächlich das Geld treibt ihn um», umreißt Maximilian Brückner (38, «Tatort», ARD; «Tannbach», ZDF) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur den Charakter seines Dorf-Bürgermeisters. «Alfons Zischl hat Schulden, hat ein Drogenproblem, hat eine Frau, die er unterstützen will. Das ist eigentlich das einzig Positive an dem, dass er Geld braucht. Er versucht es mit allen Mitteln zu beschaffen, scheitert aber ständig dran.»

Er spielt diesen Mann ebenso großartig wie seine Rollen als Ermittler in der Reihe «Schwarzach 23» (ZDF) oder als Polizist in «Pregau – Kein Weg zurück» (ARD) – auch durch sie weht ja ein zarter Hauch von Anarchie. Und der wächst sich fast schon zu einem Sturm aus in dieser neuen Serie, die von den Autoren Rafael Parente und Nikolas Hoffmann sowie von Regisseur Boris Kunz ziemlich düster, aber stellenweise auch schön satirisch inszeniert und mit passender Jazzmusik unterlegt worden ist. Dem Zuschauer wird allerhand geboten, politisch wird’s auch, denn es geht um weitere geplante Dinge wie einen Windpark, einen Autobahnzubringer, einen Beautysalon und sogar um Fracking – und die Kühe im Stall werden mit «Klassik in Moll» beschallt.

Da wundert es nicht, wenn noch mehr Figuren am Rande des Wahnsinns auftauchen: Ein ziemlich unerfahrener katholischer Pfarrer, der sagt: «Was ist denn Sterben anderes, als mit dem Wind zu tanzen?», ganz gut französisch spricht und sich später in einen jungen Afrikaner verliebt. Und ein alleinerziehender und türkischstämmiger, aber ziemlich fremdenfeindlicher Polizist, der alsbald gegen den Bürgermeister zu ermitteln beginnt, ehe der einen Zeigefinger verliert, sodann erpresst und entführt wird. Für den Zischl Alois läuft es also wirklich gar nicht gut.

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