Artikel-Schlagworte: „Floskel“
Wohlverdienter Urlaub
“Dann gehe ich jetzt mal in den wohlverdienten Urlaub”. Das ist normaler Büroalltag, oft und immer wieder gehört. Zum Glück nicht in meiner Firma, aber kürzlich erhielt ich eine eher etwas “bürokratisch” anmutende Email mit der Schlussfloskel: “Ich bin jetzt erstmal nicht zu erreichen, ich gehe in den wohlverdienten Urlaub.”
Das wirft Fragen auf: Wann ist ein Urlaub denn wohlverdient? Gibt es auch Urlaub, der nicht wohlverdient ist oder wurde? Vielleicht sozusagen ein heimlicher Urlaub? Oder gar ein Unverdienter? Was muss denn so Besonderes geleistet werden, damit der Urlaub am Ende auch wohlverdient ist? Überstunden? Stress? Viel Arbeit? Fleiß? Bloße Anwesenheit? Ich weiß es nicht.
Eventuell gibt es ja auch Abstufungen. Sozusagen feine abteilungs- oder arbeitsplatzbezogene Differenzierungen . Also, die aus der Marketingabteilung sitzt ja nur rum und hat ihren Urlaub wohl nicht verdient. Halt! Ist das schon die Lösung? Eher nicht, würde ich sagen. Außerdem bewerteten in dem von mir beschriebenen Fall ja nicht andere, sondern eben der Wohlverdienturlauber selbst seinen Urlaub mit der Qulitätsdimension wohlverdient . Das ist dann schon etwas anderes.
Vielleicht schämt der Wohlverdienturlauber sich ja auch dafür, dass er seinen Urlaub jetzt nimmt und begründet diese unglaubliche Handlungsweise dann eben damit, dass er ihn als wohlverdient deklariert. Könnte ja sein, wie in Japan vielleicht, wo es nicht üblich ist, den vertraglich zustehenden Urlaub auch tatsächlich in vollem Umfang in Anspruch zu nehmen. Möglich ist das ja.
Oder ist es vielleicht so, dass es wirklich eine vollkommen überflüssige Floskel ist? Möglich! Aber ich sagte ja bereits: Ich weiß es nicht…
Ich kann nicht klagen…
Jeder kennt die Situation. Man trifft sich, man kennt sich, eine nette Begrüßung ist angesagt, ein wenig Smalltalk. Aber schon bei der Begrüßung lassen sich Menschen einordnen in positiv oder negativ denkende Zeitgenossen. Wer gut zuhört und beobachtet, dem fällt das leicht.
“Hallo! Lange nicht gesehen. Wie geht´s dir denn?”, so läuft das typischerweise ab. Aber dann geht´s los: Welche Antwort erhalte ich? Manchmal die Folgende: “Mir geht´s gut – ich kann nicht klagen…”.
Oha, jetzt wird´s ernst. Er kann nicht klagen. Warum nur? So ein Mist. Er kann nicht klagen, würde es aber gerne tun. Noch blöder scheint zu sein, dass es ihm womöglich gut geht. Pech gehabt, dann kann man eben nicht klagen. Das ist ein wirklich armer Zeitgenosse. Er würde gerne klagen – kann es aber nicht. Weil er vielleicht zufrieden ist?
Es ist doch nur eine Floskel, werden Sie jetzt vielleicht denken. Ist es nicht – ich bin sicher. Es ist ein Spiegelbild der Einstellung zum Leben. Am liebsten würde ich “klagen”. Dann geht es mir gut. Etwas überzogen dargestellt? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht…
Ein optimistisch denkender Mensch wird die Frage ganz sicher anders beantworten: “Mir geht´s gut – danke, ich bin zufrieden, alles klar soweit…”. Das ist positiver Smalltalk. Für die Probleme gibt es dann dir “richtigen” Gespräche…











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