Gates noh?! IT-Gigant walzt Schweizer Start-up nieder

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Bisher förderte Microsoft die Jungfirma iGroove. Nun droht der Gigant mit rechtlichen Schritten.

Der Traum jedes IT-Start-ups: von einem Branchenriesen entdeckt und gefördert zu werden. Dem Musikdienstleister iGroove aus Lachen SZ widerfuhr dieses Glück. Der von Bill Gates (61) gegründete IT-Gigant Microsoft wählte vor einem Jahr aus 500 Firmen iGroove aus. Er förderte die Jungfirma von Dennis Hausammann (33), Moris Marchionna (37) und Géraldine Allemann (41), stellte ihr Coaches und Büros in Berlin zur Verfügung.

Dann aber erhielt iGroove vor zwei Wochen Post aus den USA. Absender: die Rechtsabteilung von Microsoft. Sie verlangte, dass iGroove den Namen ändert. Er ähnele dem – weitgehend unbekannten – Online-Radio Microsoft Groove zu sehr. «Wir konnten es kaum glauben», sagt iGroove-Chef Hausammann. «Vielleicht hat Microsoft bemerkt, dass wir nun ebenfalls über 20 Millionen Songs im Angebot haben und ihrem Service gefährlich werden könnten.»

Songs per SMS bezahlen

Über iGroove kann man Songs herunterladen und dafür per SMS zahlen – Kreditkartendaten oder eine Registrierung werden nicht verlangt. Ziel von iGroove ist, den Musikern möglichst viel Geld zukommen zu lassen. Bis zu 92 Prozent der Einnahmen überlassen sie ihnen.

Ursprünglich profitierte vor allem die Schweizer Szene. Doch Hausammann, Marchionna und Allemann hatten grosse Pläne. Weil sie international expandieren wollten, liessen sie die Marke iGroove auch in Europa eintragen. «Das muss jemand von Microsoft in Amerika gemerkt haben», glaubt iGroove-Mitgründer Marchionna.

Zwar habe man sofort mit Microsoft Schweiz Kontakt aufgenommen, ebenso mit der Abteilung in Berlin, welche Start-ups fördert. «Es war ihnen nicht recht, aber sie konnten nichts für uns tun», so Marchionna. Sein Kollege Hausammann ergänzt: «Unsere Kollegen bei Microsoft in Berlin haben leider keinen Einfluss auf die Rechtsabteilung in Amerika.»

Einen Rechtsstreit können sie sich nicht leisten

Das Start-up sieht keine andere Möglichkeit, als klein beizugeben. «Wir können uns keinen Rechtsstreit mit Microsoft leisten», so CEO Hausammann. Denn Microsoft hat unmissverständlich klargemacht: Verliert iGroove den Prozess, werden die Kosten dafür vollständig der jungen Firma aufgehalst. Ein Rückschlag für das zehnköpfige Team, das heute nach iTunes die zweitgrösste Musik-Download-Plattform der Schweiz anbietet – täglich werden rund 2000 Lieder heruntergeladen. Doch die Solidarität ist gross. Befreundete Schweizer Künstler wie Luca Hänni oder die Band Gotthard spenden Trost.

iGroove macht sich derweil Gedanken, wie man in Zukunft heissen könnte. Das Rebranding soll im Sommer vollzogen werden. Zur Debatte steht der Name «SMS Tracks». Entschieden habe man sich noch nicht, lässt das Gründertrio wissen.

Sicher ist: Aufgeben kommt für die drei Macher nicht in Frage. «Wenn man mit so einer Nachricht konfrontiert ist, kann man entweder jammern oder die Herausforderung annehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen», sagt Dennis Hausammann.Obwohl Microsoft eine Stellungnahme zum Umgang mit iGroove in Aussicht stellte, liess das US-Unternehmen bis Redaktionsschluss nicht von sich hören.

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