Familiäre Zerreißprobe: Von glücklichen Schafen

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Eine kleine, glückliche Familie – auf den ersten Blick. Die Deutsch-Türkin Elmas (Narges Rashidi) wohnt als alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern in Köln. Der 16-jährige Can (Jascha Baum) steckt mitten in der Pubertät und lebt vor allem für das Gitarrespielen.

Der achtjährigen Sevgi (Marlene Metternich) liest Elmas abends das Märchen von der tapferen Schafsmama vor, die ihre Lämmchen unter großen Opfern ganz allein großzieht. Doch eines Tages ist nichts mehr wie vorher: Can findet heraus, dass seine Mutter das Geld für das Überleben der Familie als Prostituierte verdient. Für den Teenager bricht eine Welt zusammen.

«Von glücklichen Schafen» heißt Kadir Sözens fein beobachtetes Filmdrama, das Arte an diesem Donnerstag um 21.55 Uhr zeigt. In ruhigen Bildern und gedeckten Farben seziert der Regisseur auf sehr sensible Weise den Überlebenskampf der Familie. So ermöglicht es Sözen dem Zuschauer, die Gefühle und Beweggründe vor allem von Elmas und Can zu verstehen. Ihre scheinbar ausweglose Situation berührt und macht nachdenklich.

Can rastet erstmal völlig aus – und zieht dann kurzerhand mit seiner kleinen Schwester zum Großvater (Vedat Erincin). Der allerdings ist auch nicht gut auf seine Tochter Elmas zu sprechen und will die Kinder am liebsten so schnell wie möglich wieder loswerden. Das führt zu einigen tragikomischen Szenen in der Wohnung des alten, verwitweten Mannes. Der enttäuschte und aufgebrachte Can wiederum will sich rächen – und greift dabei zu drastischen Mitteln. Das ruft den Zuhälter Klaus (Benno Führmann) auf den Plan. Die Situation droht zu eskalieren.

Besonders stark ist «Von glücklichen Schafen» in den zahlreichen Szenen, die ohne Dialoge auskommen und die Kamera nur beobachtet – dann lebt die Geschichte von der Mimik, den Blicken und den Gesten der Figuren, von der Beobachtung des Alltags, der manchmal stillzustehen scheint. Alle Schauspieler liefern in dem sehr konzentriert erzählten Film eine beeindruckende Leistung ab. Das Ende der Geschichte kommt dann etwas abrupt. Das Schafs-Märchen als Parabel auf Elmas’ Leben spielt noch einmal eine entscheidende Rolle.

Der türkischstämmige Regisseur Kadir Sözen hat schon mehrfach Geschichten ins Kino und Fernsehen gebracht, die von Menschen mit Migrationshintergrund erzählen – zum Beispiel den Kinofilm «Winterblume» (Regie Sözen) und den mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten TV-Zweiteiler «Zeit der Wünsche» (Regie Rolf Schübel, Produktion Kadir Sözen). In «Von glücklichen Schafen» ist es erneut eine Familie mit türkischen Wurzeln, die im Mittelpunkt steht – doch die Geschichte ist universell.

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