Bad Gastein: Fast so hip wie Berlin

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Das einstige „Monte Carlo der Alpen“ erwacht aus seinem Dornröschenschlaf.

Ein bisschen gespenstisch ist er ja schon, der Spaziergang durch den Ortskern von Bad Gastein: Viele der einst prächtigen Belle-Époque-Bauten stehen leer, das geografische Zentrum bildet ein besonders hässlicher Betonklotz. Das Casino, in dem einst Liza Minnelli auftrat, ist mit Jahresbeginn nach Zell am See übersiedelt. Was bleibt da noch von einem Ort, der sich stets als „Monte Carlo der Alpen“ verkaufte?

In erster Linie Platz für Neues. Das dachte sich auch Nadin Brendel, die 2015 mitsamt ihrer Kreativagentur „Sweet Talk Creative“ von Berlin ins 4000-Einwohner-Dorf übersiedelte. „Ich habe zehn Jahre die Welt bereist. Als ich Bad Gastein sah, war ich schockverliebt. Herrlich unperfekt, weltoffen und irre schön. Die Verbindung aus urbaner Lässigkeit und Natur hat enormes Potenzial – das zieht Kreative aus aller Welt an.“ Heute betreut die 35-Jährige den Instagram-Account @visitbadgastein und lädt Blogger und Musiker in den Kurort. „Bad Gastein ist einer der fotogensten Orte, die ich kenne“, schwärmt sie.

Und tatsächlich: Die imposanten, in den Hang gebauten Häuser vor der Bergkulisse, der mächtige Wasserfall mitten im Ort und die schmalen Wege, die sich rund um das Tal schlängeln, sind dankbare Fotomotive. Das renommierte Lifestyle-Magazin Monocle empfahl Bad Gastein gar als eines der zehn spannendsten Reiseziele weltweit. Brendel findet vor allem den Kontrast zwischen morbidem Charme und junger Szene faszinierend: „Man muss Leerstand auch als Chance begreifen. Der fehlende Konsum hier ist etwas Besonderes: Man findet Ruhe und kann ganz bei sich selbst bleiben.“

Designverliebt

Vor allem junge, kreative Menschen aus der Stadt kommen seit einiger Zeit vermehrt nach Bad Gastein: zum Sommerfrische Kunstfestival, bei dem junge Künstler ihre Werke im alten Kraftwerk ausstellen; zur Ersten Vertikale, dem Filmfestival, das heute zu Ende geht; oder einfach, um zu wandern und der Stadt zu entfliehen.

Die passenden Unterkünfte fürs hippe Publikum gibt es. Etwa Das Regina, ein Boutiquehotel im Zentrum: Der Hamburger Olaf Krohne hat das Jahrhundertwendehaus 2009 übernommen und modernisiert. Das Konzept, ein Mix aus venezianischem Prunk und angesagtem Shabby-Chic, ging auf, die Großstädter kamen – aus Österreich, vor allem aber aus dem designverliebten Skandinavien. „Der Ort war im Dornröschenschlaf. In den vergangenen drei, vier Jahre hat sich viel verändert“, sagt der Hotelier. Bad Gastein faszinierte ihn schon als Kind: „Die Skyline war so, wie ich mir Manhattan immer vorgestellt hatte. Da damals schon viele Häuser leer standen, hatte man das Gefühl, man kann hier seine eigene Welt kreieren.“

Gemeinsam mit Nadin Brendel, Ik Ikrath vom Designhotel Miramonte und anderen ambitionierten Bad Gasteinern will er dem Ort neues Leben einhauchen. Zu den „Dreamers & Doers of Bad Gastein“ zählen auch Stefan Turowski und Jan Breus: Die Berliner, einer war Fashion Stylist, der andere Journalist, haben ihr Leben ins Alpendorf verlegt und das Waldhaus Rudolfshöhe gepachtet – ein idyllisch gelegenes Ausflugslokal etwas oberhalb des Ortes mit Panoramablick über das Tal. In den Bäumen hängen Lampions, auf der kleinen Menükarte findet man auch Ungewöhnliches, etwa ein zwölf Stunden geschmortes Schwein mit asiatischen Einflüssen. „Die Leute, die zu uns kommen, erwartet man eher in Berlin als in den Bergen“, lacht Turowski. Und stellt fest: „Bad Gastein ist einfach total auf der Überholspur.“

Info

Anreise Zug: 1x täglich mit den ÖBB direkt von Wien Hbf nach Bad Gastein in 4 h 46 min oder via Salzburg in 4 h 11 min. Auto: über die A1 nach Salzburg, weiter auf der A10 Richtung Bischofshofen. Ca. 4 h.

Hoteltipps Das Regina: DZ ab 118 € inkl. Frühstück. Mit Spa, Terrasse und Kino. www.dasregina.com

– Designhotel Miramonte: DZ ab 125 € inkl. tollem Bio-Frühstück. www.hotelmiramonte.com

– B&B Hansi Hansi: DZ mit Frühstücksmenü 50 € pP. Nur 5 Zimmer. www.hansihansi.com

Einkehrtipps Waldhaus Rudolfshöhe: Hardtweg 1, ☎ 06434/20446, facebook/rudolfshoehe

– Kraftwerk Café: Wasserfallstr. 7, ☎ 0664/1970200

Auskunft Gasteinertal Tourismus: ☎ 06432/33930, www.gastein.com, [email protected]

– Instagram: @visitbadgastein

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