Mangelnder Umweltschutz auf Kreuzfahrtschiffen

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Am besten schnitt im Öko-Ranking die Aidaprima ab.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) wirft den internationalen Kreuzfahrtreedereien vor, zu wenig für den Umweltschutz zu tun. Die Anbieter gäben Unsummen für Spaß und gastronomischen Service an Bord aus, während sie beim Umweltschutz weiterhin sparten, „wo es nur geht“.

„Diese Verantwortungslosigkeit geht vor allem auch zulasten der menschlichen Gesundheit, insbesondere von Anwohnern in Hafenstädten“, teilte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller am Montag mit. Der Nabu hielt den Reedereien vor, die Öffentlichkeit über den Einsatz von Abgastechnik an Bord ihrer Urlaubsschiffe im Unklaren zu lassen. Kreuzfahrtschiffe stoßen wie Handelsschiffe Abgase aus, darunter Stickoxide, Schwefel und Rußpartikel.

Oberflächliche Angaben

Für das alljährliche Nabu-Kreuzfahrt-Ranking, der aktuell in Europa kreuzenden Schiffe, hätten nicht die Reedereien selbst die Antworten geschickt, sondern ihr Verband Clia habe lediglich zusammengefasste Daten und oberflächliche Angaben zur Verfügung gestellt, kritisierte der Nabu-Leiter Verkehrspolitik Dietmar Oeliger in Hamburg.

Clia Deutschland, der Verband der Kreuzfahrtindustrie, wies die Vorwürfe zurück. Zahlen seien falsch interpretiert worden, außerdem gebe es keinen wissenschaftlichen Standard für das Ranking, dessen Bewertungskriterien jährlich geändert würden. Clia Deutschland hatte jüngst mitgeteilt, dass in Europa 75 Schiffe mit Abgasreinigungssystemen ausgestattet seien und 52 Schiffe Voraussetzungen für Landstrom erfüllten.

Politik ist gefragt

Für den Nabu ist fraglich, ob diese Techniken tatsächlich eingesetzt werden. In Hamburg bezieht bisher lediglich ein Kreuzfahrtschiff Landstrom am Terminal Altona. Hier müsse die Politik stärker auf die Reeder einwirken, diese Energie bei vorhandenen Anschlüssen auch zu nutzen, auch wenn sie teurer sei als Marinediesel im Hafen, forderte Hamburgs Nabu-Vertreter Malte Siegert. Andernfalls sollten Strafen erlassen werden. Aus Profitgründen und angesichts niedriger Mineralölpreise verzichte ein Großteil darauf, seine Schiffe mit mehr Abgastechnik auszurüsten, meinten die Nabu-Vertreter.

Der Einsatz schwefelärmerer Treibstoffe in der Schifffahrt auf Nord- und Ostsee seit mehr als einem Jahr hat nach früheren Erkenntnissen des Nabu erste Wirkung gezeigt: Die Luftschadstoffbelastung in der Region sei erheblich zurückgegangen. Seit Anfang 2015 dürfen Handels- und Kreuzfahrtschiffe sowie Fähren in Nord- und Ostsee nur noch mit einem Treibstoff unterwegs sein, der 0,1 Prozent Schwefel und nicht mehr 1,0 Prozent enthält. Alternativ müssen die Abgase über eine Waschanlage an Bord (Scrubber) gereinigt werden.

Top: Aidaprima

Am besten schnitt im Ranking die Aidaprima ab, das jüngste Schiff der AIDA-Flotte fährt zum Teil mit Flüssiggas (LNG). Die prima wird gefolgt von der Europa (Hapag-Lloyd), der Flotte Mein Schiff (TUI) und den Schwesterschiffen Diadema und Fascinosa (Costa). Luxus-Liner wie die Queen Mary 2 und die Queen Elisabeth (Cunard) oder die älteren Schiffe von Aida und Mein Schiff bekamen hingegen die „Rote Schiffsschraube“ verliehen – ein Zeichen für eine besonders schlechte Umweltbilanz.

Weitere Infos: nabu.de/kreuzfahrtranking-2016

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