Abgelaufene Kosmetikprodukte: Warum das Haltbarkeitsdatum bei Kosmetikprodukten wenig aussagt

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In einem typisch deutschen Badezimmer finden sich allerhand Kosmetikprodukte verschiedenster Art. Allein 2015 setzte der Einzelhandel rund 12,8 Milliarden Euro mit Kosmetik- und Pflegeprodukten um! Pro Kopf sind das Ausgaben von 158 Euro. Von Gesichtscremes über Make-up und Lidschatten bis zum Körperöl horten und sammeln wir Kosmetikprodukte in unseren Schubladen und Spiegelschränken. Besonders Frauen können Unmengen an Kosmetika ihr Eigen nennen. Für ein gepflegtes Äußeres probieren wir aus, nutzen Angebote,  wechseln die Strategie…Und so passiert es leicht, dass Body-Lotion, Abdeckstift & Co. jahrelang herumstehen. Was viele nicht wissen: Auch Kosmetikartikel haben ein eine Haltbarkeitsfrist und können ablaufen. 

KTG Kosmetikprodukte

Monate nach Ablauf mikrobiologisch einwandfrei

Kann man die Produkte aber wirklich nicht mehr verwenden, wenn die offizielle Haltbarkeit überschritten ist? Schadet die Benutzung dann womöglich? stern TV hat einen Langzeittest gemacht und diverse Produkte, billig wie teuer, eingekauft und nach dem Öffnen einmal pro Woche benutzt – bis die aufgedruckte Haltbarkeitsgrenze erreicht war: von Mascara bis Augengel-Roller, von Lippenstift über Cremes bis zum Selbstbräuner. Anschließend wurden die Kosmetika in einem Fachlabor untersucht. Aus den benutzten Kosmetikprodukten entnahmen die Wissenschaftler Proben und prüften sie auf gesundheitsgefährdende Bakterien. Das Ergebnis überrascht: keines der Testprodukte enthielt Keime, Schimmel oder zeigte Anzeichen von Verderb – wie von den Herstellern auf der Verpackung versprochen. Doch das stern TV-Team benutzte die Artikel noch monatelang weiter und ließ sie dann erneut testen. Erfreulich: Nur ein einziger Lippenstift überschritt bei der Keimbelastung drei Monate nach Ablaufdatum den Grenzwert. „Die Keime sind aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Benutzung auf das Produkt gekommen“, schränkt Mikrobiologe Dr. Thomas Wilke ein. Lagerung oder bloße Haltbarkeitsüberschreitung seien wohl der Grund.

Tipps zur HaltbarkeitDie anderen drei Lippenstifte sowie alle weiteren Kosmetikprodukte wie Mascara, Augengel, Cremes und Selbstbräuner waren sogar noch sechs bis neun Monate nach Anbruch noch einwandfrei. „Das zeigt, dass die Produkte mikrobiologisch stabil sind und auch über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus bleiben“, so Wilke. Das biete Verbrauchern eine entsprechende Sicherheit. 

Nur ein Uralt-Produkt auffällig

Hält Kosmetik also ewig? Für einen zweiten Test machte sich stern TV auf die Suche nach viel älteren angebrochenen Produkten und sammelte ranziges Lipgloss, abgelaufene Lippenstifte, einen 21 Jahre alten Lidschatten, jahrelang geöffnete Körperlotionen und -peelings aus echten Haushalten ein. Insgesamt wurden davon 25 Produkte – gekauft zwischen 2014 und 1989 – zur Analyse ins Labor geschickt.
Kosmetik-Claims 0711Das erstaunliche Ergebnis: In bei einem  einzigen, etwa fünf Jahre alten Produkt wurden die Wissenschaftler fündig: „In dieser mehrere Jahre alten Peelingcreme waren gesundheitsrelevante Keime und Hefen nachweisbar. Hier gilt die klare Empfehlung, so eine Creme über diesen Zeitraum nicht zu verwenden.“ Da sie in der Dusche benutzt und zudem mit Wasser in Berührung gekommen war, sei sie offenbar verunreinigt worden. Anders verhielt es sich bei einer 21 Jahre alten Creme und einer 27 Jahre alten After-Sun-Lotion in der Tube. Trotz etwas unappetitlichem Aussehen war sie mikrobiologisch unauffällig. „Aus einer Tube drückt man ja nur etwas heraus, da ist die Rekontamination durch unsere Hautoberfläche auf das Produkt nicht gegeben“, so die Erklärung von Thomas Wilke. 

Haltbarkeitsangabe als vorsorglicher Verbraucherschutz

Gesamtfazit des stern TV-Tests: In unserer Stichprobe mit insgesamt 40 Kosmetikartikeln mit überschrittenem Verwendungszeitraum waren gerade einmal zwei Produkte auffällig, was vermutlich durch Verunreinigung durch Haut und Hände zustande kam. Selbst preiswerte Kosmetikprodukte waren wesentlich länger haltbar als aufgedruckt.
Warum aber gibt es dann die Haltbarkeitsangabe und -vorschrift, wenn die Produkte ohnehin viel länger gut sind? „Bis 2005 gab es diesen Tiegel nicht“, erklärt Dr. Andreas Butschke vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. „Das hat auch funktioniert. Das Symbol dient dem vorsorglichen Verbraucherschutz und wurde eingeführt, damit auch die Produkte, die kein offizielles Mindesthaltbarkeitsdatum haben, dem Verbraucher eine Information mitgeben.“ Denn: damit sei der Hersteller verantwortlich für sein Produkt und der Benutzer hat die Sicherheit, dass alles in Ordnung ist – und offenbar auch noch länger bleibt, wie der stern TV-Test zeigen konnte.

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