Zu kompliziert? Die Finanzreform der Krankenversicherung



von rundumkiel am 21. Juli 2010

in Gesundheit

Die nächste Gesundheitreform steht vor der Tür und rundumkiel will mal versuchen, das so einfach wie möglich zu erklären. Worum geht es eigentlich genau und was hat die Politik mit den Menschen vor? rundumkiel ist diesen Fragen nachgegangen.  Aktuell liegt ein sogenanntes “Eckpunktepapier” der Koalitionsparteien vor und es ist geplant, bis zum Ende der parlamentarischen Sommerpause einen Gesetzentwurf vorzulegen.

Foto: Andreas Morlok - www.pixelio.de

Das Gesetz soll zum 1.1.2011 in Kraft treten und es wird folgende Auswirkungen haben.

1. Der Beitragssatz

Der einheitliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird, wie schon vor der Finanzkrise, wieder 14,6 Prozentpunkte betragen. Hinzu kommt noch ein “Sonderanteil” in Höhe von 0,9 Prozent, der nur von den Arbeitnehmern getragen wird. Es ergibt sich somit ein Beitragssatz in Höhe von 7,3 Prozent für die Arbeitgeber und 8,2 (7,3 + 0,9) Prozent für die Arbeitnehmer. Demnach beträgt der künftige Gesamt-Beitragssatz in der GKV also (wieder) 15,5 Prozent (7,3 Arbeitgeber + 8,2 Arbeitnehmer).

Die Beitragssätze werden dauerhaft festgeschrieben. Und weil die Kosten im Gesundheitswesen durch medizinischen Fortrschritt oder im Rahmen der allgemeinen Kostenentwicklung  naturgemäß steigen, werden die Krankenkassen nach und nach Zusatzbeiträge erheben müssen. rundumkiel glaubt, dass irgendwann alle Kassen Zusatzbeiträge erheben werden.

2. Die Zusatzbeiträge

Die zusätzlichen Beiträge sind politisch gewollt und können grundsätzlich in unbegrenzter Höhe in Form eines pauschalen Beitrages kassenindividuell erhoben werden.  Die bisherige Begrenzung auf maximal 1 Prozent der Einnahmen entfällt.

3. Der Sozialausgleich

Jetzt wird es richtig kompliziert. Wenn das Bundesversicherungsamt in Berlin (BVA)) künftig ein GKV-Defizit erwartet, dann errechnet es die fehlende Summe und definiert so einen fiktiven Zusatzbeitrag je Versicherten. Wenn dieser fiktiv errechnete Betrag höher ist als 2 Prozent der Einnahmen eines Versicherten gibt es einen Sozialausgleich, der direkt durch den Arbeitgeber ausgezahlt wird.

Beispiel: Das BVA legt als durchschnittlichen Zusatzbeitrag 11 Euro fest. Die Krankenkasse erhebt aber einen Zusatzbeitrag in Höhe von 14 Euro. Der Sozialausgleich orientiert sich trotzdem an den durchschnittlichen 11 Euro des BVA.

4. Die Ausgabenseite

Hier möchte die Bundesregierung insgesamt 3,5 Mrd. Euro bei den Verwaltungskosten der Krankenkassen, bei Mehrleistungen der Krankenhäuser, bei den Kosten für Zahnärzte, bei Medikamenten und bei den Hausärzten einsparen.

Schwieriges Thema. Und ein ausgesprochen kompliziertes System. Aber in diesem Artikel steht, in aller Kürze und natürlich nicht erschöpfend, was man so wissen sollte, um die jetzt kommenden Meldungen und Diskussionen zu verstehen.

Nächste Woche schreibt rundumkiel dann in der Folge 2 zur Finanzreform im Gesundheitswesen, wie er das geplante Gesetzesvorhaben findet und bewertet.

Hier zum Artikel: Notoperation Krankenversicherung

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{ 5 Kommentare… unten lesen oder eigenen Kommentar ergänzen }

Anna-Lena 21 Juli 2010 um 22:32

Danke, lieber rundumkiel, für deine Erklärungen

Wie überall, hat auch hier der Patient die A….karte und kann nichts dagegen tun. Wo wird in unserem Staat eigentlich noch nicht gespart?

Herzlich,
Anna-Lena

GZi
Twitter:
21 Juli 2010 um 22:53

Man darf aber auch nicht außer Acht lassen, dass wir eines der besten und effizientesten Gesundheitswesen haben: Jeder bekommt von der Versicherung alle Leistungen, es gibt keine wochen- gar monatelangen Wartezeiten für stationäre Behandlungen wie in England oder skandinavischen Ländern. Es ist und bleibt ein solidarfinanziertes System und niemand muss Angst haben, eine notwendige Behandlung nicht zu bekommen, während in anderen – auch hochentwickelten – Ländern es vor kommen kann, dass weder medizinische Leistungen noch wirklich absichernde private Versicherungen bezahlbar sind.

Anna-Lena 22 Juli 2010 um 09:16

So gesehen hast du zweifelsohne recht.
Trotzdem finde ich, dass es eine Menge Ungereimtheiten in unseren Krankenkassen gibt, die es gilt, abzuschaffen. Ungerechtigkeiten bei Privatversichtern und Kassenpatienten, Einsparungen bei alten Menschen, für die sich manches einfach nicht mehr ‘lohnt’, das sind zwei Dinge, für die mir oft das Verständnis fehlt.

Ich selber habe meine Kasse des Vertrauens, die Herr rundumkiel genauestens kennt ;-) , und bin damit sehr zufrieden.

Corinna 22 Juli 2010 um 11:11

Genau deshalb ist es wichtig eine gute, leistungsstarke, große Versicherung für sich un seine Liebsten zu haben!
Mich fasziniert zudem die Preisspanne der Medikamente in Europa und die entsprechenden Gewinnspannen im Pharma-Bereich. Was lässt sich da machen?

rundumkiel
Twitter:
22 Juli 2010 um 21:53

@all: Bitte nicht wundern, aber ich halte mich mit eigenen Kommentaren noch zurück, denn ich werde nächste Woche versuchen, das Ganze aus meiner Sicht zu bewerten und dann auch die bis dahin vorhandenen Kommentare mit einzubeziehen…

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