Kompressionsstrümpfe im Breitensport



von rundumkiel am 25. Juni 2010

in schlaumeierkiel

schlaumeierkiel beobachtet es schon einige Zeit: Immer mehr Läuferinnen und Läufer tragen neuerdings schwarze oder weiße Kniestrümpfe. Zuerst fiel schlaumeierkiel das nur bei den Spitzensportlern im Fernsehen auf, aber so nach und nach erfasst dieser Trend wohl auch den hiesigen Breiten- und Spaßsportler, zu dem auch schlaumeierkiel sich zählt.

Bild: CEP

Das wirft Fragen auf: Was soll das? Neuer Modegag? Liegt´s am Wetter? Hat schlaumeierkiel hier einen Trend verpasst? Oder hat womöglich die Sportindustrie einfach eine neue Einnahmequelle entdeckt, die uns Läufer dazu bringen soll, weiteres Geld in Nichtnotwendiges zu investieren? Der Verdacht liegt nah. Muss aber nicht stimmen, denkt sich schlaumeierkiel und sagt sich, hier sei eine gründliche und seriöse Recherche angesagt. Also flugs im Internet umgesehen, ein Sanitätshaus in Kiel befragt und den Chef des hiesigen Olympiastützpunktes beim Institut für Sport und Sportmedizin ausgehorcht. Und jetzt ist schlaumeierkiel restlos verwirrt. Denn es gibt eine breite Meinungsvielfalt. Die geht von „die Socken bringen nichts …“ über „die Socken verursachen einen Placebo-Effekt…“; „meine Freundin läuft mit den Strümpfen und hebt förmlich ab …“ bis hin zu „ohne die Dinger braucht Ihr gar nicht erst loszulaufen …“.

Zu den Fakten: Unstrittig ist wohl, dass ein von außen auf die Muskulatur wirkender Druck sowohl die sauerstoffreiches Blut fördernden Arterien als auch die sauerstoffarmes Blut abtransportierenden Venen weiten. Alles klar? Also, nochmal für Schnelldenker: Arteriendurchmesser hoch – bewirkt höheren Blutdurchfluss, Venendurchmesser auch hoch – bewirkt höheren Blutabfluss. Das kennen wir aus der Medizin. Wer lange Zeit im Bett liegen muss, der sollte sich dann auch in die schicken langen Strümpfe quälen. Aus den eben beschriebenen Gründen.

Und was hat das nun mit Läufern zu tun, fragt sich schlaumeierkiel? Nichts? Weit gefehlt, denn jetzt kommt die Wissenschaft: Danach funktioniert der Kompressionstrumpf für Läufer sowieso schon mal völlig anders als das Krankenhaus-Dessous. Weil Läufer nämlich nicht liegen, sondern eben laufen und allein deshalb schon durch den erhöhten Puls viel mehr Blut in die arbeitende Muskulatur gerät, wirkt der Läufer-Kompressionsstrumpf von unten nach oben, also entgegen der Schwerkraft. So werden Blutstauungen im Unterschenkel vermieden. Durch die höhere Blutflussmenge gibt’s dann mehr Nährstoffe für den Läufermotor, d.h. mehr Sauerstoff für die arbeitenden Läufer-Muckies. Und weil auch mehr Blut abfließen kann werden gleichzeitig auch mehr Stoffwechselabbauprodukte, wie z.B. Laktat, so mirnichtsdirnichts gleich mit weggespült. Wir laufen dann angeblich länger, besser und ausdauernder. Soweit so gut, denkt sich schlaumeierkiel, der das alles noch nicht so richtig glauben kann.

Deshalb stellte schlaumeierkiel die Frage nach dem Sinn der Läufer-Kompressis mal dem Chef des Kieler Institutes für Sport und Sportmedizien, Prof. Dr. Burkhard Weisser. Wenn der es nicht weiß… Er habe es ebenfalls bei Laufwettbewerben beobachtet und auch den einen oder anderen Hinweis in wissenschaftlichen Publikationen entdeckt. Neugierig geworden sei er und ausprobieren will er es auch. Denn vorstellen kann Prof. Weisser sich schon, dass hier ein positiver Effekt eintreten kann. O.K., denkt sich schlaumeierkiel, probieren geht also über studieren. Also nicht unnötig gezögert und ab ins Läuferuntensilienvertriebsgeschäft. Was? 46 Euronen? Egal, wenn schlaumeierkiel sich was in den Kopf setzt, ist er halt nicht mehr zu halten. Aber einfach so kaufen geht nicht. Zuerst wurde mal ordentlich vermessen. 36 cm geballte Läufermuskulatur in rechten und linken Waden wollen halt auch von dem richtigen Kompressi gebändigt sein. Größe 3 sei die Richtige, so die Verkäuferin. Und ihre Freundin habe auch so einen Strumpf und die laufe jetzt viel schneller und entspannter… Das hat schlaumeierkiel doch schon mal gehört …






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