Die Motorradsaison hat begonnen. Auch für rundumkiel geht´s wieder los. Motorradfahren macht einfach Spaß und rundumkiel vergisst dabei nie, dass es sich um ein nicht ganz ungefährliches Hobby handelt. Das wurde ihm dann auch einmal mehr deutlich, als er einen am 31.03.2010 erschienen Artikel in den Kieler Nachrichten las.
Dabei ging es um einen tödlichen Motorradunfall, der sich am Himmelfahrtstag 2009 in Altenholz bei Kiel ereignete. Jetzt stand der Unfallverursacher, ein 55-Jähriger Hartz IV – Empfänger, vor dem Kieler Amtsgericht.
Er habe den 67 Jahre alten Motorradfahrer nicht gesehen, so der Angeklagte. Zeugen beschrieben die Situation als vollkommen übersichtlich. Der tödlich verletzte Motorradfahrer, der noch am Unfallort starb, sei mit mäßiger und angepasster Geschwindigkeit gefahren und war von weitem zu erkennen. Allerdings nicht für den Angeklagten, der auf einem Auge blind ist und mit geflochtenem Bart, Wollpullover und Haarzopf vor dem Richter steht.
Ein hinter dem PKW fahrender Zeuge, der selbst den Motorradfahrer schon lange Zeit gesehen hatte, beschreibt die Situation wie folgt: Der vor ihm fahrende Angeklagte, wurde mit seinem schrottreifen Kombi immer langsamer, bis er schließlich fast stehenblieb um dann ohne ersichtlichen Grund in eine Auffahrt nach links abzubiegen. Der Motorradfahrer hatte keine Chance und kollidierte mit dem Kombi des Unfallverursachers. Dabei zog er sich so schwere Kopfverletzungen zu, dass er unmittelbar nach dem Unfall verstarb.
Was er dabei gedacht habe, fragte der Richter den Angeklagten. “Das ist so, wie das ist…” habe er gedacht und außerdem sei der Motorradfahrer auch schwarz gekleidet gewesen, ohne Licht und zu schnell gefahren, so seine Meinung. Offensichtlich eine krasse Fehleinschätzung der Situation, meint rundumkiel, der dem Bericht entnommen hat, dass der Motorradfahrer alles, also wirklich alles, richtig gemacht hatte. Ganz am Ende der Verhandlung, nachdem der Anwalt des 55-Jährigen ihm in einer Verhandlungspause ins Gewissen redete, äußerte er dann auch Bedauern. Ein bisschen spät, wenn es ehrlich wirken soll, findet rundumkiel.
Ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, ließ sich nicht mehr feststellen, denn die Polizei verzichtete auf eine Blutprobe. Daher lässt sich heute darüber nur noch spekulieren. Das Urteil: 90 Tagessätze á zehn Euro Geldstrafe. Und den Führerschein? Den hat der “freie Künstler”, so die angegebene Berufsbezeichnung, heute noch und jetzt kann rundumkiel nur hoffen, dass er diesem halbblinden Künstler möglichst nie begegnet…








{ 13 Kommentare… unten lesen oder eigenen Kommentar ergänzen }
Twitter: Fr_Erdbeere
5 April 2010 um 17:46
Ich weiß zwar nicht, warum erwähnt wurde, das es sich bei dem Angeklagten um einen Hartz IV Empfänger handelt, aber egal
Tragisch alle male, das der arme Motorradfahrer sein Leben lassen musste. Wo doch sonst, (eigene Erfahrung), die meisten Zweiradfahrer mehr als riskant durch die Gegend sausen!
Dir wünsche ich wirklich, das Du gut durch die Saison kommst, lieber rundumkiel und lass Dir Frau GZi Lamm gut schmecken
Erdbeere wünscht einen leckeren Restosterabend
Twitter: rundumkiel
5 April 2010 um 18:17
@Erdbeere: Vielen Dank für die guten Wünsche… Das Lamm kommt gleich auf den Tisch. Zu der Hartz IV-Info: Ich denke, der KN-Journalist hat das erwähnt, um die niedrigen Tagessätze der Strafe zu erläutern… Ein schönes Restostern wünscht rundumkiel!
Ich wünsche dir allzeit gute und unfallfreie Fahrt.
Mir persönlich sind vier Räder und Blech drum herum lieber.
Liebe Grüße
Anna-Lena
Das ist ja unglaublich! Dann frage ich mich, warum eine ehemalige Kollegin von mir über ein Jahr Fahrverbot hatte (und damit ihren Job in der Hauskrankenpflege verloren hat) nachdem sie einem parkenden Auto die sich öffnende Tür abgefahren hat (da muss ja wohl der Austeigende aufpassen!!)Gut, sie hat vor Schreck Fahrerflucht begangen, aber es hat niemanden das Leben gekostet! Versteh ich nicht.
Dir allzeit gute Fahrt! Und keine Idioten im Weg!
Twitter: rundumkiel
6 April 2010 um 12:30
@Anna-Lena: Vielen Dank…!
@Miki: Manchmal fragt man sich schon bei manchen Urteilen, ob sie der richtigen Verhältnismäßigkeit entsprechen. Ich glaube aber immer daran, dass Gerichte sich darum vorrangig bemühen. In dem von dir beschriebenen Fall bin ich aber doch der Meinung, dass der Führerscheinentzug richtig war. Eine Vergleichbarkeit mit dem Motorradunfall ist nur schwer möglich. Jedenfalls darf man eben nicht “vor Schreck” Fahrerflucht begehen. Wer das macht, ist eben nicht geeignet, ein Kraftfahrzeug zu führen. Klingt hart, entspricht aber den allgemeinen Wertmaßstäben. Ich hoffe für deine Freundin, dass sie ihren Führerschein bald wieder zurückerhält und aus dem Vorfall gelernt hat…
Twitter: kaffeejunkies
6 April 2010 um 13:49
Ich liebe Motorrad fahren. Noch immer und geniesse die wenigen Wochenenden im Sommer wo ich dazu komme.
Zweifellos nicht ungefährlich keine Frage. Aber auch beim Paragleiten, Auto fahren , ja auch am Fahrrad kann mir etwas passieren oder kann ich “Mist” bauen.
Mit ein bisschen Hirn und Verantortungsgefühl ein tolles Hobby!
Ich wüsche dir allzeit gute Fahrt und jede Menge Spass!
Hi rundumkiel, sie ist nicht meine Freundin (Ex-Kollegin) und es ist schon länger her (sie fährt wieder) aber für mich sieht es einfach so aus, als ist eine Autotür (die mal auf ner befahrenen Straße nix zu suchen hat- gucken!!!) wertvoller als das Leben eines Bikers…. ein Urteil, welches die finanzielle Existenz zerstört- alles im Namen des Volkes, welches dann zahlt… (sie war alleinerziehend und dann eben ohne Job!) Dabei hatte sie GERADE aus Angst um ihren Job so falsch reagiert.
Twitter: rundumkiel
6 April 2010 um 14:58
@Arven: Hast recht… immer schön achtsam sein… dann passt das schon…
@Miki: Ein Glück, dann ist ja für deine Kollegin zumindest nicht alles schlecht gelaufen. Und natürlich hast du vollkommen recht: Ein Gegenstand kann niemals den Wert eines Menschen haben. Und manchmal sind Urteile eben hart, so wie ganz offensichtlich in diesem Fall. Ein befreundeter Staatsanwalt pflegt in solchen Fällen immer zu sagen: Vor Gericht gibt es ein Urteil… nicht mehr und nicht weniger… Hab einen schönen Tag… LG von rundumkiel
auf ziemlich ähnliche Art und Weise kam der Onkel meiner damaligen Partnerin vor ein paar Jahren in der Nähe von Rendsburg an der Autobahnabfahrt Schacht Audorf ums Leben gekommen. noch heute steht da ein Kreuz. Der etwas über 80jährige Unfallverursacher gab an, von der Sonne geblendet worden zu sein. Als man bei Gericht rekonstruierte, dass die Sonne hinter ihm gestanden haben muss, sagte er: Dann ist es wohl einfach so passiert.
Auch dieser Mann, der eingeschränkt sehen kann durfte seinen Führerschein behalten und musste “nur” 5000 Euro bezahlen, dass er einen Familienvater umbrachte.
Das sind die tragischen Seiten. Die Kehrseite sind dann jedoch wieder Männer und Frauen, die ihre Maschinen überschätzen und sich für unverwundbar halten.
Wenn mir ein Freund erzählte, dass er die Landstraße von Neumünster und Kiel mit durchschnittlich 180 Sachen hinter sich bringt, dann könnte ich auch kotzen.,
Ich habe in meiner Jugend zwei Freunde durch (unverschuldete!) Unfälle mit ihren Motorrädern verloren. Seit der Zeit machen mir Motorräder Angst.
Ich wünsche dir einen besonderen Schutzengel – pass’ gut auf dich auf – und hab’ viel Spaß bei deinem Hobby.
Lieben Gruß
Iris
Twitter: rundumkiel
6 April 2010 um 21:23
@Schonzeit: Vielen Dank für den umfassenden Kommentar, lieber Herr Schonzeit! Du hast natürlich recht: Es gibt immer zwei Seiten der Dinge. Übrigens sind rücksichtslose Motorradfahrer mir ebenfalls ein Graus – ich zähle mich definitiv nicht dazu und fahre auch eher defensiv, trotz einer möglichen Beschleunigung von weniger als 3 Sekunden von 0 auf 100. Muss man aber nicht testen, finde ich. Ich bin auch noch nie schneller als 160 gefahren, und das auch nur ganz kurz – es macht einfach keinen Spaß…
@Lilie: Vielen Dank für deine Wünsche. Das du mit den Erfahrungen eher Angst vor Motorrädern hast kann ich gut verstehen…
ja, das problem ist, dass man selber so vorsichtig wie irgend möglich fährt! aber man kann leider nicht auch für anderen alles situationen voraussehen…
also, immer schön weiter so verantwortungsvoll fahren!
liebe grüße
britta
Twitter: rundumkiel
7 April 2010 um 07:52
@Britta: Genau. Wenn schon Risiko, dann möglichst gering halten. Und dafür kann man auch einiges tun…