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Dialog auf dem Flughafen oder: Ein Telefonat für alle

Kürzlich hatte rundumkiel über das Angebot eines Spam-Fax-Versenders gebloggt, bei dem es um einen “Chefsessel” ging: Spam-Fax von www.buero77.com – Chefsessel. Gestern sitzt rundumkiel auf dem Flughafen Köln/Bonn und wartet auf seinen Flug nach Hamburg. Da klingelt das Handy. Am Telefon ist Frau Leichtgläubig (Name geändert). Es kommt zu folgendem Dialog…

Foto: Arno Bachert - www.pixelio.de

Foto: Arno Bachert - www.pixelio.de

Herr rundumkiel: Guten Tag, rundumkiel am Telefon.
Frau Leichgläubig: Guten Tag, hier Frau Leichtgläubig. Können Sie bitte Ihren Sessel wieder abholen?
Herr rundumkiel: Äh, ich? Welcher Sessel?
Frau Leichgläubig: Na diesen Chefsessel. Er gefällt mir nicht. Und Sie haben doch geschrieben: Bei Nichtgefallen kann ich ihn zurückgeben.
Herr rundumkiel: Ah, ich verstehe. Sie denken, ich habe Ihnen einen Chefsessel geschickt.
Frau Leichtgläubig: Haben Sie nicht? Klar haben Sie. Ich sitze drauf.
Herr rundumkiel: Nein, liebe Frau Leichtgläubig. Ich habe Ihnen nichts geschickt. Kein Fax und schon gar keinen Chefsessel. Ich habe nur einen Chefsessel – und auf dem sitze ich selber.
Frau Leichtgläubig: Aber im Internet steht doch: Chefsessel und rundumkiel und so…
Herr rundumkiel: Steht da denn auch, dass ich Chefsessel anbiete und verschicke? Nein, das steht da nicht. Haben Sie überhaupt gelesen, was da steht?
Frau Leichtgläubig: Ja, da steht, rundumkiel verschickt Chefsessel.

Mittlerweile grinsen fast alle wartenden Fluggäste, starren mich an und sind muckmäuschenstill, um ja kein Wort zu verpassen.

Herr rundumkiel: Frau Leichtgläubig. Ich bin kein Sesselverschicker. Ich bin ein Blogger, der sich…
Frau Leichtgläubig: Was sind Sie? Blogger?
Herr rundumkiel: Ja, ein Blogger, der sich, wie viele tausende Menschen auch, über diese unseriösen Spam-Faxe ärgert und dieses Thema in seinem Blog aufgreift.
Frau Leichtgläubig: Äh…
Herr rundumkiel: Sie wissen gar nicht, was Bloggen ist, stimmts?
Frau Leichtgläubig: Stimmt. Was ist das?

rundumkiel erklärt nun mit sehr einfachen Worten, was Bloggen ist.

Frau Leichtgläubig: Das machen Sie also. Warum?
Herr rundumkiel: Es macht mir Spaß. Ich tue es gern. Es ist sozusagen ein Hobby.
Frau Leichtgläubig: Verstehe. Was mache ich nun mit dem Sessel? Er gefällt mir nicht. Ich will ihn loswerden und mein Geld zurück.
Herr rundumkiel: Sie haben den Chefsessel doch nicht etwa schon bezahlt?
Frau Leichtgläubig: Doch, der kam per Nachnahme.
Herr rundumkiel: Aus den Niederlanden?
Frau Leichtgläubig: Nein, aus Deutschland – und es liegt auch eine Rechnung einer deutschen Firma bei.
Herr rundumkiel: Lassen Sie mich mal raten: Sie haben schon versucht, die Firma anzurufen. Niemand nimmt dort ab, kein Anrufbeantworter, keine Emailadresse, nichts. Stimmts?
Frau Leichtgläubig: Woher wissen Sie das?
Herr rundumkiel: Intuition und Lebenserfahrung, würde ich mal sagen. Was haben Sie denn bezahlt?
Frau Leichtgläubig: 300 Euro.
Herr rundumkiel: Die sind weg, liebe Frau Leichtgläubig. Ich denke, Sie haben keine Chance. Hoffentlich hält wenigstens der Chefsessel noch ein Weile.
Frau Leichtgläubig: Sie sind nett, Herr rundumkiel. Können Sie mir nicht doch helfen?
Herr rundumkiel: Nein, Frau Leichtgläubig. Nur mit einem Tipp: Bestellen Sie nie wieder Ware bei so unseriösen Unternehmen. Und vielleicht sollten Sie sich doch mal ein wenig mit dem Internet beschäftigen. Wenn Sie sich dort besser auskennen würden, bliebe Ihnen vieles erspart. Informationen sind das halbe Leben, glauben Sie mir.

Womit jetzt bewiesen wäre, dass es wirklich Menschen gibt, die auf diese Spam-Fax-Versender hereinfallen und tatsächlich ihr gutes Geld ausgeben für Chefsessel, Stromgeneratoren, Werkzeug-Sets oder Kunstblumen…

Was bleibt noch zu sagen? Die um mich herumsitzenden Fluggäste starrten mich weiter an. Einige ungläubig und fragend, andere eher belustigt. Irgendwie waren sie alle neugierig geworden, denke ich. Und offensichtlich fanden Sie die Unterhaltung witzig. Ich auch, wenn ich mal ehrlich bin. Im Flugzeug saß ich dann neben einer älteren Damen die mich augenzwinkernd fragte: “Das mit diesem Bloggen, junger Mann, können Sie mir das noch einmal erklären…?”







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13 Kommentare zu „Dialog auf dem Flughafen oder: Ein Telefonat für alle“

  • GZi:

    Tja, es gibt eben Leute, die können sich gar nicht vorstellen, wie unseriös und profitgeil (sorry) manche Menschen sind… aber seien wir nochmal ehrlich: Das im letzten Satz, dies “junger Mann, können Sie mir das noch mal erklären”, das ging Dir doch runter wie Öl, oder? ;-)

  • *griiiins* klasse!

    Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir
    Liebe Grüße
    Katinka

  • *hihi*
    Eine schöne Geschichte zum Wochenendbeginn :)

  • Einfach wunderbar – kein Wunder, dass sich Spam-Faxe hartnäckig halten. Doch das Ende der Geschichte gefällt mir am Besten …
    Lieben Gruß
    Iris

  • Tja, ich denke mal, den Rutsch haste jetzt wech…
    -Brauchste Sessel die nicht kosten viel
    ruf mal an, beim Blogger Rundumkiel-
    Servus, so long und weiterhin gute Geschäfte…………:::::—-)))))
    Kvelli

  • @GZi: Jaaaa, das tat soooo gut!!!

    @Katinka und Daniela: Danke, freut mich!

    @Lilie: Das Ende tat mir soooo richtig gut!!! Genau hat sie übrigens gefragt: Können Sie mir das mit diesem “Plocken” nochmal erklären…?

    @Kvelli: Nein!!! Ich verschicke keine Sessel!!! Aber ich hätte schon drei Stromgeneratoren verkaufen können… ;-)

  • Huhu rundumkiel,

    was mir nicht ganz gewahr ist: wie kam sie noch Mal auf Dich?

    Über manche Menschen kann man wirklich nur den Kopf schütteln, wie dämlich sie sind. Und ich meine nicht, die armen alten Leutschens, die auf den Enkeltrick reinfallen, sondern exakt solchen, hüstel “Blondchen”

    In diesem Sinne, freitägliche Grüße von der Erdbbeere.

  • Coole Story! Wär gern mit im Flugzeug gewesen…als Zuhörer ^^
    Und hat mir mal wieder vor Augen geführt, dass auf sowas wirklich Leute hereinfallen…grumpfl!!

  • Schöne Geschichte. Wobei ich mich frage, wie Frau Leichtgläubig in Zukunft ohne Deine Unterstützung überhaupt ihr Leben meistern soll?
    Gruß
    Fulano
    P.S. Könntest Du das mit dem Bloggen vielleicht noch einmal erklären ;-)

  • @Schaps: Als ich diese ganze Fax-Spam-Geschichte erstmals aufgriff war ich ganz sicher, dass die eigentlich keine Kunden haben dürften. Tja, eindeutig geirrt…

    @Fulano: Frau Leichtgläubig muss es schaffen… irgendwie, auf jeden Fall ohne mich! Aber das Bloggen brauche ich dir bestimmt nicht zu erklären… Aber es ist gar nicht so einfach, einem Internet-Verweigerer den Sinn deutlich zu machen…

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rundumkiel
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