Nicht nur Gewerkschaftler, sondern auch Arbeitsmarktpolitiker von Union und FDP(!) haben der Drogeriekette Schlecker Ausbeutung durch Leiharbeit und Lohndumping vorgeworfen. Schlecker selbst beruft sich auf die Einhaltung der geltenden Rechtslage und weist die Vorwürfe von sich.
Es sind ernste Vorwürfe, findet rundumkiel. Sowohl aus der Sicht der Menschen, die bei Schlecker arbeiten und natürlich auch für Schlecker selbst. Das eine Unternehmenskrise zu nennen ist sicher zu weit gegriffen, aber eine kritische Situation ist es allemal. Schließlich sind das keine Meldungen, die den Umsatz fördern oder Vertrauen in die Marke schaffen. Da ist Krisenmanagement gefragt. Es wird interessant sein zu beobachten, wie Schlecker damit umgeht. Bloße Dementis helfen da wenig. Es ist also unternehmerische Vorsicht geboten, denn Kunden von Discountern sind meistens keine sicheren Kunden.
Zwischenzeitlich hat sich auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eingeschaltet und angekündigt, ihr Ministerium werde die erhobenen Vorwürfe prüfen. Das ist gut so, denkt sich rundumkiel. Zwei Fragen will von der Leyen nachgehen:
- Wurden bestehende Gesetze verletzt oder umgangen?
- Sind im bestehenden Gesetzrahmen Schlupflöcher oder Lücken?
Wichtige Fragen, die schnell geklärt und beantwortet werden sollten. Aber der wichtigste Aspekt kann nicht juristisch geklärt werden. Was werden die Käufer denken? Wie reagieren sie? Wie gesagt, hier ist Krisenmanagement gefragt. Wenn es also stimmt, dass Schlecker-Mitarbeiter in sogenannten XL-Schleckermärkten nur halb soviel verdienen wie Mitarbeiter in den “regulären” Filialen”, nur weil sie als Leiharbeitnehmer angestellt werden, dann sind Fragen erlaubt. Zeitarbeit nämlich, so weiß rundumkiel, ist dazu da, betriebliche Auftragsspitzen aufzufangen oder Vertretungen durch Urlaub oder Krankheit sicherzustellen. Sie dient nicht dazu, Beschäftigte mit halbem Gehalt zu beschäftigen. Bleibt zu hoffen, dass sich dies alles aufklärt. rundumkiel, übrigens immer mal wieder Kunde von Schlecker, möchte das prinzipiell nämlich bleiben…









{ 5 Kommentare… unten lesen oder eigenen Kommentar ergänzen }
Twitter: Teufel100
12 Januar 2010 um 10:44
Tja, Zeitarbeit wird aber immer mehr reguläre Jobs killen und dagegen wird man nichts machen können. Es ist für Unternehmen meist günstiger Zeitarbeiter einzustellen als eigenes Personal. Und Zeiten wo das nur genutzt wurde um Auftragsspitzen zu kompensieren ist schon lange vorbei, da ist Schlecker nicht das einzige Unternehmen das so vorgeht. Um hier etwas zu ändern müsste es für die Zeitarbeit endlich mal eine vernünftige Gewerkschaft geben, die nicht alles annimmt was die Arbeitgeber vorschlagen und es sollte gesetzliche Mindestlöhne geben, aber da traut sich ja keiner ran.
Lieben Gruß
Sven
Die Unternehmer nutzen zunehmend die Not der Menschen aus, indem sie auf deren Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, bauen. Das ist menschlich so mies und niederträchtig, dass ich es kaum in Worte fassen kann.
“Ach, das passt Ihnen nicht? Nun, hinter ihnen stehen Hunderte, denen das aber passen würde.”
Schlecker gerät hiermit ja nicht zum ersten Mal in negatives Licht. Die haben eine rigige Personalpolitik schon immer gehabt. Jetzt versuchen sie sich herauszureden, denn diese Sache mit der Zeitarbeit ist allen schon lange bekannt, da verstehe ich die heutige Entrüstung der Arbeitsministerin nicht, ihre Vorgänger hat das nie interessiert…
Servus und so long
Kvelli
Kann Kvelli nur zustimmen. Schlecker steht seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten in der Kritik und bisher scheint das weder die Politik, noch die Kunden sonderlich interessiert zu haben.
Vermutlich wird auch dieser Skandal mal wieder im Sande verlaufen.
Gruß
Fulano
Twitter: rundumkiel
12 Januar 2010 um 18:27
@Sven, Svenja, Kvelli, Fulano: Vielen Dank für eure engagierten Kommentare und das ihr euch mit dem Thema auseindergesetzt habt…