Geschichten um´s Laufen: Verlaufen in Ostrohe

von rundumkiel am 27. Dezember 2009

in Sport

Nachdem die Weihnachtstage hinter rundumkiel liegen und er heute morgen auf der Waage entsetzt und geschockt auf die digitalen Werte schaute, bleibt nur eins: Sport, Sport, Sport. Und für rundumkiel heißt das: Laufen, Laufen, Laufen und ab und zu in´s Fitnessstudio. Nun ist rundumkiel seit vielen Jahren ein passionierter Läufer, Mitglied zweier Lauftreffs und Teilnehmer diverser Laufveranstaltungen. So ist rundumkiel die Idee gekommen, im Jahr 2010 in unregelmäßigen Abständen “Geschichten um´s Laufen…” zu posten. Auch wenn das neue Jahr noch nicht begonnen hat, hier die erste Geschichte der neuen Serie…

Geschichten um´s Laufen: Verlaufen in Ostrohe

Wir schreiben den 10. August 2008. Jaja, schon etwas länger her, aber dafür ist diese Läufergeschichte auch ganz besonders. Es geht um die Langlauftage von Ostrohe, das liegt in Schleswig-Holstein in der Nähe von Heide in Dithmarschen. rundumkiel war für den Halbmarathon und Frau rundumkiel für den Marathon gemeldet. Kurz vor dem Start erhielt rundumkiel dann noch den Tipp: Versuch´ bloß nicht die Strecke zu verstehen und verlaufe dich nicht! Verlaufen? In einem Wettkampf? Völlig unmöglich, dachte sich rundumkiel, der nach gut einem Kilometer in ein vielleicht drei mal zwei Kilometer großes Waldstück einbog, in dem tatsächlich ein vollständiger Marathon organisiert war. Mit allem was dazu gehört. Schwerem, feuchten Boden, rutschigen Wurzeln und eine mit Sägespänen markierte Laufstrecke, die rundumkiel an seine Jugendzeit mit Schnitzeljagden auf Klassenfahrten erinnerte. Alles ist mit viel Liebe von den fleißigen Helfern des MTV Heide organisiert. Aber die Strecke: Vollkommen unübersichtlich. Nach einem einzigen Kilometer im Wald hatte rundumkiel vollständig die Orientierung verloren. An fast jeder Weggabelung trafen sich Läufer und keiner wusste von dem anderen, wer eigentlich wo war.

Und es kam, wie es kommen musste. Irgendwann, so bei Kilometer 18, stand rundumkiel auf einmal mutterseelenallein im Wald. Keine Weggabelung, keine anderen Läufer. Niemand. Nur noch rundumkiel und der Wald von Ostrohe. Was tun? Stehenbleiben ist bei einem Wettkampf ja nicht unbedingt sinnvoll.

Also weitergelaufen, konnte ja nicht weit sein bis zur nächsten Gabelung. Die kam dann auch, bewacht von einem gut genährten Feuerwehrmann auf einem Campingstuhl. Es ergab sich folgender Dialog:

rundumkiel: Ich habe mich verlaufen…
Feuerwehrmann: Dann hast du Pech gehabt…
rundumkiel: Wie muss ich denn jetzt weiterlaufen?
Feuerwehrmann: Keine Ahnung…
rundumkiel: Aber du bist doch ein Steckenposten…
Feuerwehrmann: Also junger Mann: Von uns beiden bist du doch wohl der Läufer, oder? Dann musst DU doch wissen, wohin du laufen musst. Ich doch nicht!!!

rundumkiel hat es dann aufgegeben, aus dem Feuerwehrmann noch irgendetwas herauszukriegen. Der war bestimmt selbst froh, überhaupt zu wissen, wo er war. Also ist rundumkiel einfach noch so lange im Wald herumgelaufen, bis er dort auf 20 Kilometer (zum Glück war sein GPS-Empfänger am Handgelenk) kam. Mit den gut einem Kilometer bis zum Ziel außerhalb des dunklen Waldes kam er dann auch auf 21 Kilometer und hat somit den Ostroher Langlauftag, zwar mit einer eigenwilligen Strecke, aber sportlich gesehen doch erfolgreich, überstanden.

Und Frau rundumkiel? Die ist nach 25 Kilometern ausgestiegen. Weil die Strecke einfach zu anstrengend war, weil der Hund auf uns wartete und weil sie vermutlich Angst hatte, sich im Wald von Ostrohe zu verlaufen…

Langlauftag in Ostrohe

Langlauftag in Ostrohe - 21,1 km


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{ 5 Kommentare… unten lesen oder eigenen Kommentar ergänzen }

Preetzer 27 Dezember 2009 um 12:58

ja so spielt das Leben… ist unsere Alltag nicht auch zum Teil von so undurchsichtigen “Wegweiser” geprägt!

Am Ende muss sich eben jeder selbst seinen Weg suchen und finden!

Mit weihnachtlichen Grüßen

GZi
Twitter:
27 Dezember 2009 um 13:43

Oh, oh… musst Du denn ausgerechnet über meinen einzigen bislang abgebrochenen Marathon posten ;-) Ich hatte den Lauf und Wald bislang erfolgreich aus meinem Gedächtnis gestrichen!

Sven
Twitter:
27 Dezember 2009 um 15:17

Oh der Lauf hört sich interessant an. Bist du ihn denn 2009 noch mal gelaufen, oder habt ihr das ganze dann doch lieber als ein einmaliges Abenteuer abgetan?

Fulanos Worte 27 Dezember 2009 um 18:50

Tja, es gab ja auch schon Leute, die sich bei der Tour de France verfahren haben.
Aber Respekt auf jeden Fall. Ich könnte nicht einmal darüber nachdenken, einen Marathon überhaupt zu probieren.
Gruß
Fulano

rundumkiel
Twitter:
27 Dezember 2009 um 21:49

@Preetzer: Den Weg in Ostrohe kann aber niemand alleine finden…

@GZi: Da auszusteigen zeigt Läuferqualitäten…

@Sven: 2009 nein. 2010 nein. 2011 nein… never…

@Fulanos Worte: War in meinem Fall ja auch nur ein Halber. Aber sich dabei zu verlaufen ist schon wirklich außergewöhnlich…

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